Sonnen-Taler

Hier ist eine detaillierte Beschreibung eines Währungsprojektes, das ich schon seit einiger Zeit verfolge, und das ich vor ein paar Tagen auf meiner Website veröffentlicht habe. Es ist die klarste und präziseste Beschreibung einer soliden privaten Währung, die ich je gemacht habe. Es könnte leicht überall auf der Welt durchgeführt werden, und während dieser Artikel eine Währung auf der Grundlage erneuerbarer Energien beschreibt, könnte das gleiche Modell auf der Grundlage eines anderen Produkts oder einer Dienstleistung angewendet werden, nach der es eine tägliche Nachfrage gibt, seien es nun Lebensmittel aus ökologischem Landbau, Transportgemeinschaften oder alles andere, was wir fördern wollen, so wie ich es gegen Ende des Artikels beschreibe.

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Unternehmen, die eine Umsetzung dieses Entwurfes in Betracht ziehen, mögen mich unter thgreco@mindspring.com kontaktieren. – t.h.g

Sonnen-Taler – eine Möglichkeit, erneuerbare Energien zu fördern, gleichzeitig die lokale Wirtschaft zu unterstützen und Versorgungsunternehmen eine zinsfreie Finanzierung zu verschaffen.

Sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten mangelt es der lokalen Wirtschaft oftmals an Liquidität. Man kann hier immer wieder feststellen, dass es bis zu einem gewissen Grad einerseits nicht genutzte gewerbliche Kapazitäten und andererseits unbefriedigte Verbraucherbedürfnisse gibt. Was in der Regel fehlt, ist genügend Geld in der Bevölkerung, das diese unbefriedigten Bedürfnisse und die brachliegenden gewerblichen Kapazitäten zusammen führt. Diese Situation wird durch unser Bankensystem verursacht, das sich zunehmend zentralisiert und zu wenig Kredite an lokale Unternehmen vergibt, vor allem an die kleinen und mittleren Unternehmen, die das Rückgrat einer jeden Volkswirtschaft sind. Und wenn die Banken ihnen doch Kredite zur Verfügung stellen, geschieht dies zu drückenden Konditionen, z.B. hohen Zinsen, belastenden Tilgungsplänen und der Hinterlegung von Vermögenswerten zur Absicherung der Kredite.

Die unserem Geld- und Banksystem inhärenten Mängel und Instabilitäten erscheinen immer unkorrigierbarer. In einem Umfeld staatlicher Garantien, Subventionen und/oder der Erwartung von Staatshilfen bei Kreditausfällen verursachen die Banken während der Periode der Kreditexpansion Vermögenspreisblasen. Dann, in der Kontraktionsphase, werden sie risikoavers und investieren lieber in “sichere” Staats- und Unternehmenswerte, anstatt die legitimen Bedürfnisse der Unternehmen in ihren Gemeinden, vor allem der kleinen und mittleren Unternehmen, zu finanzieren.

Gleichzeitig verursachen Industrialisierung und Bevölkerungswachstum andere Probleme, z.B. die Plünderung der natürlichen Umwelt und Klimaschäden. Es ist zweifellos wünschenswert einen Wechsel unserer Energieproduktion weg von den fossilen Brennstoffen und hin zu den erneuerbaren Quellen vorzunehmen, aber bislang sind die Anreize nicht ausreichend gewesen, diese Verschiebung schnell genug voran zu treiben um schwere ökologische, wirtschaftliche und politische Folgen noch abwenden zu können.

Sonnen-Taler zielen sowohl auf eine Verringerung der Treibhausgasemissionen für die Umwelt ab, als auch auf die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung nach mehr Zahlungsmittel, als auch auf den Bedarf der Versorgungsunternehmen nach kostengünstigen Finanzierungen.

Wie werden Sonnen-Taler ausgegeben?

Sonnen-Taler sind ein Kreditinstrument eines lokalen Energieversorgungsunternehmens. Die Zirkulation der Sonnen-Taler beginnt, wenn ein Auftragnehmer oder Lieferant sie direkt von dem Versorgungsunternehmen für seine erbrachten Dienstleistungen als Zahlungsmittel akzeptiert. In dem Umfang, in dem der Auftragnehmer oder Lieferant die Dienste des Versorgungsunternehmens selbst nutzen kann, haben die Sonnen-Taler eindeutig den dementsprechenden Wert für ihn, weil er sie dazu verwenden kann seine Stromrechnung zu bezahlen. Wenn der Auftragnehmer zum Beispiel pro Monat eine Stromrechnung über durchschnittlich € 500 hat, kann er leicht Sonnen-Taler in Höhe von mindestens € 1.000 Nennwert nutzen.

In dem Maße, in welchem der Auftragnehmer nicht in der Lage ist die Sonnen-Taler direkt für seinen Geschäftsbetrieb zu verwenden, wird er versuchen, sie durch Zahlungen an seine Subunternehmer und Lieferanten weiterzugeben, die selbst Stromrechnungen zu bezahlen haben. Er wird daher versuchen, die benötigten Waren und Dienstleistungen von denen zu beziehen, die auch bereit sind, Sonnen-Taler als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Diese Subunternehmer wiederum werden zweifellos in der Lage sein, eine gewisse Menge an Sonnen-Taler unmittelbar dafür zu nutzen, ihre eigenen Stromrechnungen zu bezahlen; den Rest werden sie an andere Lieferanten weitergeben, die sie beliefern. Und da nun praktisch jeder Strom braucht, sollte die lokale Wirtschaft in der Lage sein, eine große Menge an Sonnen-Taler-Gutscheinen aufzunehmen, weil Geschäftsinhaber und sogar deren Angestellte auf allen Ebenen der Lieferkette bereit sind, sie zumindest als Teilzahlung zu akzeptieren.

Die Zirkulation und der Wert von Sonnen-Talern

Natürlich kann eine bestimmte Menge von Sonnen-Taler-Gutscheinen von dem Zeitpunkt an, zu dem sie zuerst in den Verkehr gebracht wurden und bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie dem Energieversorgungsunternehmen als Zahlung für den Strom wieder vorgelegt werden, viele Male den Besitzer wechseln, dadurch nämlich, dass sie für Zahlungen der Gemeindemitglieder untereinander verwendet werden. Bei der Ankurbelung der regionalen Wirtschaft gibt es einen Multiplikatoreffekt, weil die Bereitstellung von Euros jetzt durch dieses gänzlich lokale Tauschmittel ergänzt wird. Viele Rechnungen, die ansonsten eine Zahlung in Euro erfordern würden, können jetzt mit Sonnen-Talern bezahlt werden, einem ganz einheimischen Zahlungsmedium, das zu seiner Bereitstellung keinerlei Bankdarlehen oder Maßnahmen der zentralen Währungsbehörden benötigt. Dennoch können die Sonnen-Taler ein solides und zuverlässiges Austauschmedium sein, weil sie einen Anspruch auf eine wertvolle Dienstleistung darstellen, nämlich den Strom des Versorgungsunternehmens.

Der Wert der Sonnen-Taler-Gutscheine auf dem Markt wird sich nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage richten. Wenn die ausgegebene Gutscheinmenge (Angebot) in Bezug auf den Gesamtbedarf der Menschen in der Gemeinde nach Strom zu groß wird (Nachfrage), beginnt der Kurs der Sonnen-Taler zu sinken, das heißt, sie werden nur noch zu einem Kurs unter ihrem Nennwert akzeptiert werden. Diese Kursbildung tritt auf, weil es keinen Zwang gibt sie zum Nennwert anzunehmen, oder sie überhaupt zu akzeptieren. Wenn zum Beispiel Ladenbesitzer in der Gemeinde feststellen, dass ihre Kunden ihnen zu viele Sonnen-Taler zur Zahlung anbieten, in einer Höhe, die über den Betrag hinausgeht, den sie und ihre Handelspartner innerhalb einer angemessenen Zeitspanne verwenden können, könnten sie anfangen, sie nur noch zu weniger als dem Nennwert zu akzeptieren. Ein 1-Euro-Sonnen-Taler-Schein könnte dann z.B. zu einem Kurs von 95 oder sogar nur 90 Cent angenommen werden. Zu dem letztgenannten Kurs würde man dann für einen mit 90 Euro ausgepreisten Artikel Sonnen-Taler in Höhe von 100 Euro Nennwert zahlen müssen.

Wenn nun aber der Marktkurs der Sonnen-Taler sinkt, dann wird ein jeder, der eine Stromrechnung zu bezahlen hat, brennend gerne Sonnen-Taler erwerben, denn der die Gutscheine ausgebende Stromerzeuger ist ja verpflichtet, sie jederzeit zum Nennwert anzunehmen. Sobald eine maßgebliche Menge an Sonnen-Taler-Gutscheinen in Umlauf gelangt, wird sich wahrscheinlich ein freier Handel mit ihnen entwickeln. Große Stromverbraucher werden sie immer dann aufkaufen wollen, wenn ihr Preis deutlich unter pari (unter den Nennwert) fällt.

Wenn jedoch der Stromerzeuger feststellt, dass seine Vertragspartner und Lieferanten nicht mehr bereit sind die Sonnen-Taler zum Nennwert anzunehmen, wird er deren Ausgabe drosseln, bis Angebot und Nachfrage wieder ausgeglichen sind und das Disagio beseitigt ist.

Da niemand anders als der Emittent verpflichtet ist, Sonnen-Taler oder andere private Währungen als Zahlungsmittel zu akzeptieren, haben solche Währungen damit in sich einen Selbstkorrekturmechanismus eingebaut. Diese Eigenschaft macht sie politischen, vom Staat emittierten Währungen überlegen, die als Grundlage ihrer Zirkulation einen allgemeinen gesetzlichen Annahmezwang zum Nennwert für jedermann haben („gesetzliches Zahlungsmittel“), und nicht nur für den Staat, wenn man z.B. seine Steuern an ihn zahlen will.

Die Vorteile der Sonnen-Taler für das Versorgungsunternehmen

Die Ausgabe von Sonnen-Talern durch das Versorgungsunternehmen in der beschriebenen Weise entspricht der Emission eines kurzfristigen Kredites oder eines Kreditorenkontos; im Vergleich dazu jedoch haben Sonnen-Taler zwei Vorteile, erstens gibt es keine Zinskosten und zweitens muss keine Einlösung in offiziellem Geld erfolgen – Sonnen-Taler-Gutscheine werden nur durch die Bereitstellung von Strom eingelöst. Dies ist von besonderer Bedeutung in Zeiten einer Geldknappheit und wirtschaftlicher Rezession, wenn das offizielle Geld knapp wird.

Dr. Zander hat bereits vor 80 Jahren bei seinem ähnlichen Vorschlag für ein Eisenbahngeld auf Folgendes hingewiesen: wenn eine Firma verspricht, zu einem späteren Zeitpunkt Bargeld zu zahlen, “… verpflichtet [sie] sich, am Fälligkeitstage etwas zu liefern, das sie zur Zeit noch nicht besitzt, sondern erst zu erlangen hofft. Ob ihr dies gelingt, ist ungewiß. Die Verpflichtung zu künftiger Zahlung enthält also ein spekulatives Moment, das in Krisenzeiten besondere Gefahren mit sich bringt. Es liegt daher auf der Hand, daß die Bahn mit Kreditkäufen, d.h. mit dem Versprechen, in Zukunft Zahlungsmittel zu liefern, die sie erst zu beschaffen hat, größte Zurückhaltung an den Tag legen muss. Die Bahn kann jedoch etwas Anderes versprechen, nämlich: Güter und Personen zu befördern; d.h. ihre Aufgabe als Eisenbahn zu erfüllen. Hierin liegt keine Spekulation.”

Analog dazu verspricht ein Stromversorgungsunternehmen, wenn es Sonnen-Taler ausgibt,   lediglich Strom zu liefern, das heißt, seine ureigentliche Funktion als Stromversorger zu erfüllen. Daran ist nichts spekulativ. Die einzige Verpflichtung des Versorgungsunternehmens ist es, die Sonnen-Taler jederzeit zu ihrem Nennwert zu akzeptieren, unabhängig von deren aktuellem Marktkurs. Es wäre in keiner Weise verpflichtet, die Sonnen-Taler in bar oder irgendeiner anderen Weise einzulösen.

Sobald die Sonnen-Taler-Gutscheine dem Unternehmen vorgelegt und als Bezahlung für Strom akzeptiert wurden, haben sie ihren Kreislauf abgeschlossen und werden aus dem Verkehr gezogen. Natürlich können dann wieder neue Sonnen-Taler-Gutscheine in den Verkehr gebracht (oder die alten wieder verwendet) werden, solange die umlaufende Menge nicht so stark anwächst, dass ihr Kurs zu sehr unter Pari (unter den Nennwert) fällt. Somit kann es einen kontinuierlichen Fluss von Sonnen-Talern durch die lokale Wirtschaft geben, wenn neue Gutscheine hineinkommen (wenn der Stromerzeuger sie ausgibt) und die alten Gutscheine ausscheiden (wenn der der Stromerzeuger sie für seine Dienstleistungen in Zahlung nimmt).

Wie viel Sonnen-Taler Währung kann ausgegeben werden?

Im allgemeinen Fall einer privaten Währung, die durch einen Zahlungsvorgang in Verkehr kommt, ist die Höhe des Betrages, die sicher emittiert werden kann, in allererster Linie abhängig von der Solvenz oder der allgemeinen Finanzlage des Emittenten; der Markt wird in der Tat die Währung eines Unternehmens, das sich in Schieflage befindet und zu scheitern droht, zunächst wahrscheinlich nicht akzeptieren. Unter der Annahme jedoch, dass das Unternehmen finanziell gesund ist, wird seine Währung lediglich zu einer weiteren kurzfristigen Kreditverpflichtung. Aber im Gegensatz zu anderen kurzfristigen Verbindlichkeiten wie z.B. Kreditorenkonten oder Wechselverbindlichkeiten, können Privatwährungsgutscheine von der ganzen Gesellschaft als Zahlungsmittel verwendet werden, zusätzlich zu der offiziellen Währung.

Ohne den Status des gesetzlichen Zahlungsmittels muss eine private Währung sich im Markt durch ihre eigene Qualität behaupten. Der Wert, den die Gemeinschaft der Währung beimisst, wird in in erster Linie von der Nachfrage für diejenigen Produkte oder Dienstleistungen abhängen, die ihre Fundation darstellen. Im Fall der Sonnen-Taler ist diese Fundation die Fähigkeit des Unternehmens, Strom zu liefern. Ein weiterer Faktor, der ihre Umlaufmenge bestimmt, ist das Ausmaß, zu dem die Menschen sie als Tauschmittel haben wollen. Je mehr die Währung als Tauschmittel benutzt wird, desto größer ist die Menge, die die Gemeinschaft aufnehmen kann. Das Signal, das zur endgültigen Bestimmung derjenigen Gutscheinmenge überwacht werden muss, die in Umlauf gebracht werden kann, ist der Marktkurs, zu dem die Währung weitergegeben wird. Wie oben bereits ausgeführt: wenn das Disagio, das Absinken vom Nennwert, signifikant wird, ist das ein Indiz dafür, dass die ausgegebene Gutscheinmenge zu sehr ansteigt und gedrosselt werden muss.

Hier wird es sinnvoll drei Begriffe einzuführen: “Emission”, “Reflux” (Rückstrom) und “Umsatz”. Wir beschreiben dabei einen kontinuierlichen Prozess von Ausgabe und Einlösung der Währung, die jeweils mit einer bestimmten Geschwindigkeit von statten gehen. Die Ausgaberate oder die Geschwindigkeit, mit welcher eine Währung “hinausgeht” wird als Emission bezeichnet, und die Einlösungsrate oder die Geschwindigkeit, mit welcher eine Währung “zurückkommt” wird als Reflux (Rückstrom) bezeichnet. Nehmen wir an, die Ausgaberate (Emission) beträgt 30.000 pro Monat und die Einlösungsrate (Reflux, Rückstrom) beträgt 20.000 pro Monat. Dabei kann man sehen, dass der ausstehende Betrag um 10.000 pro Monat anwachsen wird und der Markt schnell gesättigt ist. Den Punkt, an dem die Sättigung auftritt, wird der Markt in Form des Disagios (Abschlag vom Nennwert) angeben, zu dem die Währung gehandelt wird. An diesem Punkt muss die Emission reduziert und/oder der Rückstrom erhöht werden. Da der Emittent den Rückstrom kaum beeinflussen kann, wird er die Anpassung typischerweise durch Verringerung der Emission vornehmen, bis das Disagio verschwindet. Auf lange Sicht muss die Emission dem Rückstrom entsprechen. Es gibt jedoch eine Faustregel oder Heuristik, die auf Erfahrungen aus der Vergangenheit basiert, und die als grobe Orientierung dienen kann, um die maximal mögliche Gutscheinmenge abzuschätzen. Sie besagt, dass der Reflux mindestens 1% täglich sein sollte. Mit anderen Worten: die Menge der umlaufenden Währung sollte im normalen Geschäftsablauf innerhalb von etwa 100 Tagen oder weniger wieder zurückgeströmt sein. Dieser Zeitraum ist der “Umsatz”, der Zeitraum, in dem die gesamte umlaufende Geldmenge durch neu ausgegebene Währung ersetzt wird. Natürlich sollte jede Währung nur nach und nach in Umlauf gebracht und ihre Kursentwicklung sowie ihre Zirkulation genau überwacht werden, so dass Anpassungen schon lange vor Erreichen ihres Maximums vorgenommen werden können.

Im speziellen Fall der Sonnen-Taler Währung gibt es eine zusätzliche Beschränkung, die absichtlich in das Programm eingebaut ist. Neben den Zielen der lokalen Wirtschaft zusätzliche Zahlungsmittel und dem Versorgungsunternehmen eine zinslose Finanzierung zur Verfügung zu stellen, hat das Sonnen-Taler-Programm ein weiteres grundlegendes Ziel, nämlich die Verlagerung der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien zu fördern. Dieses Umweltziel wird dadurch erreicht, dass die Emission von Sonnen-Talern auf einen gewissen Teil des Wertes nur der erneuerbaren Energien beschränkt wird, die das Unternehmen seinen Kunden liefert. Diese Funktion bietet die richtigen Anreize für das Unternehmen, für die potenziellen Zahlungsempfänger und für die Nutzer der Sonnen-Taler-Gutscheine.

Das Versorgungsunternehmen wird mehr Energie liefern wollen, die aus erneuerbaren Quellen stammt, weil dies es ihm erlaubt mehr Sonnen-Taler auszugeben und es dadurch einen zinslosen Kredit erhält. Die Lieferanten des Unternehmens und alle anderen in der Gemeinde, die die Umstellung auf mehr erneuerbare Energien befürworten, werden Sonnen-Taler als Zahlungsmittel gerne akzeptieren, weil sie damit diesen Wandel unterstützen können.

In welchen Währungseinheiten sollten Sonnen-Taler ausgegeben werden?

Der Sonnen-Taler als ein Kreditinstrument muss in einer bestimmten Maßeinheit, einem Wertmaß, ausgegeben werden. Wir gehen davon aus, dass Sonnen-Taler in den Einheiten ausgegeben werden, die mit dem Wertmaß der in diesem Bereich vorherrschenden Währung äquivalent sind, also z.B. dem Euro. Das wäre zunächst das Zweckmässigste, da das Unternehmen seine Rechnungen dem Kunden in Euro ausstellt. Wenn Sie also eine Stromrechnung vom Stromerzeuger über z.B. € 100 erhalten, haben Sie die Wahl: Sie könnten mit Euro von Ihrem Giro- oder Kreditkartenkonto zahlen, oder aber stattdessen mit Sonnen-Talern, wenn Sie zufällig Gutscheine über 100 Sonnen-Taler haben.

Es ist jedoch interessant eine weitere Möglichkeit zu berücksichtigen. Angenommen, die Sonnen-Taler würden auf eine Währungseinheit lauten, die besser definiert ist als der Euro, auf etwas Reales, wie z.B. Strom-Einheiten. Die Nutzung von Elektrizität wird in Kilowattstunden (kWh) bemessen, und das Unternehmen stellt seinen Kunden Rechnungen zu einem bestimmten Strompreis von so und so vielen Euro-Cents pro kWh aus. Aber Strompreise ändern sich (mit Genehmigung der dafür zuständigen Aufsichtsbehörde). Wenn Sonnen-Taler die Kilowattstunde als Wertmaß hätten, so würde jeder Sonnen(kWh)-Taler auch die Zahlung von genau einer Kilowattstunde abgelten, unabhängig vom gerade aktuellen kWh-Euro-Preis. Dies hätte den Vorteil, dass der Inhaber von Sonnen-Talern vor allen Strompreisanstiegen geschützt wäre. Öffentliche Versorger kündigen Preiserhöhungen natürlich im Voraus an, so dass der Markt genügend Zeit haben wird die Bewertung der Sonnen-Taler-Gutscheine anzupassen. Im allgemeinen Fall einer privaten Währung jedoch wird eine Denomination in Einheiten eines realen Wertmasses anstatt in Euro eine immer interessantere Option, vor allem in den Zeiten, in denen das allgemeine Preisniveau stark ansteigt und die Kaufkraft des Euros rapide sinkt.

In welcher Form sollten Sonnen-Taler emittiert werden?

Es ist wichtig, den Unterschied zwischen den folgenden drei Aspekten des Geldumlaufs zu verstehen:

  • Das Wesen einer Währung,
  • Seine Erscheinungsform, und
  • Die Methoden ihrer Übertragung

Dies sind drei verschiedene Dinge, die in Diskussionen über Währungsinnovation und Entwicklung oft irrtümlicherweise vermischt werden.

Das Wesen einer Währung ist Kredit. Es handelt sich um ein “i.o.u.” (einen Schuldschein) des Emittenten oder sein Versprechen auf eine entsprechende Gegenleistung, das heißt einen Realwert zu liefern und seine eigene Währung als Zahlungsmittel dafür zum Nennwert zu akzeptieren. Sonnen-Taler sind ein Kreditinstrument, das durch einen Kaufvorgang des Versorgungsunternehmens in den Verkehr  gebracht wird.

Eine Währung kann als Papierschein in Erscheinung treten, als eine Zahl in einem Kassenbuch (geschrieben oder computerisiert), als Saldo, Kontostand auf einer Smartcard oder in einem anderen elektronischen Format. Sonnen-Taler können in einer oder in allen diesen Formen in Umlauf gebracht werden; wenn Papier-Gutscheine ausgegeben werden, sollten sie mit einem Verfallstag versehen werden um eine Hortung und damit verursachte Störungen in ihrer Zirkulation zu verhindern.

Eine Währung kann von Hand zu Hand übertragen werden, wie im Fall von Papier-Geldscheinen oder Münzen, elektronisch mittels einer Kontobuchführung wie z.B. bei Lastschriftkarten oder SMS-Nachrichten, oder direkt von einer elektronischen Geldbörse zu einer anderen, zum Beispiel mit Near Field Communication-Technologien. Dies ist ein sich schnell entwickelnder Bereich, in dem Sicherheit und Komfort in ein angemessenes Verhältnis zueinander gebracht werden müssen. Aber da jede Sonnen-Taler-Einheit jederzeit nachgewiesen werden kann, können betrügerische oder missbräuchliche Transaktionen abgelehnt oder rückgängig gemacht werden.

Das Sonnen-Taler-Modell kann auf andere Waren und Dienstleistungen angewendet werden.

Zu beachten ist, dass dieses grundlegende Währungsmodell nicht nur zur Förderung einer Umstellung auf erneuerbare Energien, sondern auch anderer wünschenswerter wirtschaftlicher Veränderungen verwendet werden kann. Die Werte aller Produkte oder Dienstleistungen des täglichen Bedarfs können in Form einer privaten Währung „monetarisiert“ werden. Hersteller ökologisch erzeugter Lebensmittel könnten zum Beispiel Bio-Taler ausgeben, indem sie ihre Vertragspartner, Lieferanten und Mitarbeiter damit bezahlen, in genau der gleichen Art und Weise, wie wir es für die Ausgabe von Sonnen-Talern beschrieben haben.

Die Anforderungen bleiben die gleichen, dass sie nämlich durch einen Kaufvorgang eines vertrauenswürdigen Emittenten in den Verkehr gebracht werden, der bereit, willens und in der Lage ist, seine Währung als Zahlungsmittel für die Waren und Dienstleistungen, die er verkauft, zum Nennwert zurückzunehmen.

Häufig gestellte Fragen

Q1. Was sind Sonnen-Taler?

A1. Sonnen-Taler sind umlaufende Gutscheine, die von einem lokalen Elektrizitätswerk in Höhe eines Anteils an der jährlichen an seine Kunden verkauften Energiemenge aus erneuerbaren Quellen in den Verkehr ausgegeben werden.

Q2. Wie werden die Sonnen-Taler in Umlauf gebracht?

A2. Sonnen-Taler werden durch einen Kaufvorgang in den Verkehr gebracht, wenn das Elektrizitätswerk damit Vertragspartner, Lieferanten und Mitarbeiter bezahlt, die bereit sind, sie als (Teil)zahlung für die Waren und Dienstleistungen anzunehmen, die sie dem Elektrizitätswerk erbracht haben.

Q3. Warum sollten Lieferanten und Mitarbeiter Sonnen-Taler akzeptieren wollen, anstatt sich die Schulden des Elektrizitätswerks zur Gänze in Euro auszahlen zu lassen. Was macht Sonnen-Taler wertvoll?

A3. Sonnen-Taler sind wertvoll, weil das Unternehmen bereit steht, willens und in der Lage ist jederzeit diese Sonnen-Taler als Zahlungsmittel wieder für die Lieferung von Elektrizität oder für die Bezahlung jedweder anderer Schulden des Unternehmens anzunehmen. Sonnen-Taler repräsentieren Kreditverpflichtungen des Emittenten, die solide durch die Energie abgesichert sind, die er produziert und/oder verkauft.

Q4. Was ist der Punkt dabei? Was kann durch ein solches Projekt erreicht werden?

A4. Es gibt mehrere Vorteile eines solchen Projektes, darunter folgende:

  1. Finanzielle und wirtschaftliche Vorteile
  • Gutscheine, wie die Sonnen-Taler, die durch einen Kaufvorgang in den Verkehr ausgegeben werden, sind eine zinsfreie Quelle von Umsatzkapital für die emittierende Firma. Als solche bieten sie erhebliche Zinskosteneinsparungen gegenüber Bankkrediten.
  • Gutscheine, die von einer vertrauenswürdigen Entität wie z.B. einem lokalen Versorgungsunternehmen durch einen Kaufvorgang in den Verkehr ausgegeben werden, versorgen die örtliche Gemeinde mit heimischer Liquidität, d.h. einem zusätzlichen Zahlungsmittel, das unabhängig von der Geldpolitik der Banken und der Regierung ist, sie geben der Gemeinschaft mehr Selbstbestimmung und machen die lokale Wirtschaft belastbarer.
  • Gutscheine, wie die Sonnen-Taler, die von einem vertrauenswürdigen Emittenten durch einen Kaufvorgang in den Verkehr ausgegeben werden, können zwischen ihrer Emission und Wiedereinlösung viele Male den Besitzer wechseln und so lokale Unternehmen unterstützen. Einheimische Liquidität auf Grundlage der Produktion realer Güter und Dienstleistungen stellt einwandfreie Tauschmittel bereit, die in der Region bleiben und fördert die lokale wirtschaftliche Entwicklung.
  • Vor Ort ausgegebene Währungsgutscheine stimulieren ihrer Natur gemäß die lokale Produktion und den Wohlstand, weil sie normalerweise innerhalb der Gemeinschaft bleiben; selbst wenn sie sich  weiter verbreiten würden, müssen sie schließlich wieder zurück nach Hause, wo sie vom Emittenten eingelöst werden, wenn er sie für die Zahlung von Rechnungen annimmt.
  1. Vorteile für die Umwelt
  • Wer sich um Probleme wie die globale Erwärmung, Umweltverschmutzung, Erschöpfung fossiler Brennstoffe, die negativen Auswirkungen der Ressourcengewinnung wie fracking und Offshore-Bohrungen Sorgen macht, wird eine Umstellung auf erneuerbare Energiequellen fördern wollen. Die Annahme der Solarenergie-Gutscheine des Unternehmens bei Zahlungen bedeutet eine solche Förderung und hilft, das Unternehmen auf das Ziel hin zu bewegen mehr seiner Energie aus erneuerbaren Quellen anzubieten. Je mehr erneuerbare Energie das Unternehmen produziert oder liefert, desto mehr Sonnen-Taler wird es ausgeben dürfen, und um so mehr zinslosen Kredit wird es bekommen.
  1. Public Relations, Werbung, und Image
  • Seit einiger Zeit gibt es ein großes und wachsendes Medieninteresse an Gemeinschaftswährungen, lokalen Selbsthilfeinitiativen, grüner Energie und alternativer Finanzierung. Dieses innovative Projekt kann dem Versorgungsunternehmen, der Gemeinde und dem Staat einen enormen Imagegewinn bringen, und die Region zur Drehscheibe von Kreativität und Innovation machen. Wenn die erheblichen Vorteile des Projekts deutlich werden, werden alle beteiligten Instanzen an Prestige gewinnen und andere Gemeinden werden diesem Beispiel folgen.
  1. Pädagogischer Nutzen
  • Eine private lokale Währung, die von einem vertrauenswürdigen Emittenten wie einem Elektrizitätswerk durch einen Kaufvorgang in den Verkehr ausgegeben wird, ist ein wichtiger Schritt bei der Verbreitung neuer Memes und dabei, die Öffentlichkeit von der Illusion zu befreien, dass nur politische Währungen wie der Euro die einzige Möglichkeit sind Rechnungen zu bezahlen oder Kontos auszugleichen.

Q5. Welche Form werden Sonnen-Taler annehmen?

A5. Wir sprechen davon den Kredit lokaler Versorgungsunternehmen zu nutzen um lokale Liquidität zur Verfügung zu stellen. Das kann in einer Vielzahl von Formen in Erscheinung treten: Papier-Gutscheine oder Coupons, Wertkarten, Prepaid-Debitkarten oder Buchkredite, auf die mit Karten und POS-Kartenleser oder über Mobiltelefone zugegriffen werden kann. Es gibt Vorteile und Nachteile bei jeder dieser Möglichkeiten und es wird wahrscheinlich sinnvoll sein, eine Kombination dieser Formen zu anzuwenden, in Abhängigkeit von der örtlichen Verfügbarkeit und den Kosten der benötigten Technologien.

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Hinweis: Sonnen-Taler sind eine besondere Art privat ausgegebener Währungen, von denen es viele historische Beispiele gibt, vor allem das “Eisenbahngeld” im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert. Andere solche Beispiele wurden während der Großen Depression in den dreißiger Jahren vorgeschlagen. Von besonderer Bedeutung ist im Jahr 1934 ein Vorschlag von Dr. Walter Zander, die englische Version davon wurde 1935 von Williams und Norgate Ltd., London veröffentlicht unter dem Titel: “Ending the Unemployment and Trade Crisis by the introduction of purchasing certificates and the establishment of an international clearing system”. Der Sonnen-Taler Vorschlag wurde dieser Arbeit nachgebildet, die Sie hier finden und nachlesen können (in Englisch) (http://beyondmoney.us7.list-manage.com/track/click?u=3cbee2e1cfc237bcae4ed6959&id=42e0c9da73&e=8dc5f9426c)

Deutsche Originalversion: Dr. Walter Zander, “Eisenbahngeld und Arbeitslosigkeit”, Annalen der Gemeinwirtschaft, Genf, Januar/Juli 1934.

Translation by / Übersetzung von: Theo Megalli

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